22.08. – 29.08.08 > CITY Drifters zu Gast bei “Gedanken zur Revolution”; Spinnerei, Halle 14, Universal Cube
www.gedanken-zur-revolution.de

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CITY Drifters – Auswertungsbögen
Fr., 18.07. – So., 20.07.,
Rundgang HKD Burg Giebichenstein, CITY Drifters-Büro im Gärtnerhaus eingerichtet

Rauminstallation, zwei Tische, zwei Drehstühle, Videoarbeit “Qualifizierungsworkshop” auf Kontrollmonitor, Blog, Info- und Auswertungsmaterial, Mützen/Jacken/Taschen, Zimmerpflanze (T.P.)
Di., 24.06., 17:56, Notizen zum 4. Drifting (12:00-17:30)
Haltestelle Burg Giebichenstein. 2 Jungs fragen uns, wer wir sind. Bekommen unsere Aufkleber zum taggen. Auf dem einen T-Shirt steht “Kein Respekt”. Sind aber sehr lieb zu uns. Fast schon scheu. Die Strassenbahn ist videoüberwacht. Am Fahrradies vorbei. Und Donnerstag ist Hosentag. Steigen in der City aus. Stehen gegenüber vom Stadtcenter Rolltreppe. Alte Frau schubst Andy. Absichtlich. Frau mit Stock schaut in den Mülleimer neben uns. Im Stadtcenter großer escalators-Fernseher. Wir werden nicht namentlich erwähnt. Treffen auf Michelle Terran. Ihr ist langweilig. Uns auch. hahaha. Sie sagt: “It`s not easy to do nothing.”. Leihen uns ihren Satteldisplay mit integrierter Kamera aus. Driften damit durchs Stadtcenter. Gelangen zur Rolltreppe. Enttäuschung. Total klein und kurz. Schaufensterpuppen mit schwarz-rot-goldenem Iro im Sportgeschäft. Geben Gerät zurück und suchen Hank, die rote Bank. Treffen den Containerkünstler mit seiner Freundin vorm Container. Brüllt durchs Megafon: “Wem gehört die Stadt? Den Heteros! Peggy is hot!” Frau fragt uns nach dem Weg zur Neuen Residenz. Wir sagen ihr, dass wir das nicht wissen. Sie reagiert gereizt. Wir sehen halboffiziell aus und keiner kann ihr den Weg sagen. Der Containerkünstler übernimmt meine Notizen: “Ich war ganz begeistert vom Container. `Das fetzt`entfuhr es mir. Besonders begeistert war ich von den beiden Stühlen im Inneren des Containers.” Andy schreibt 5 SMS. Fremder Mann nimmt meinen Platz weg. Andy schreibt noch eine SMS. Containerkünstler fragt Frau mit Minirucksack, wem die Stadt gehört. “Mir nich.” antwortet sie. Gemüseladen. Mann fragt uns, ob wir ihm einen ausgeben können. Wir geben ihm ganz viele Aufkleber. Er will sie an seine Kumpels verteilen. Ein Kumpel kommt rein. bittet uns, ihn nicht auszuschimpfen. Gehen wieder zum Containerkünstler. Weiße Luftballonfrau tanzt um Rentnergruppe. Schließe mich Touristengruppe an.
Führerin erklärt die Hallesche Verwerfung. Langweilig. Touristengruppe hört auch nicht zu. Einer kommt zu mir und schaut, was ich notiere. Mädchen schreibt mit Kreide auf Boden: “Bitte verhalten Sie sich ruhig.” und “Keine Angst. hier sind Sie sicher.”. Gehen in Einkaufspassage. Bleiben vor Pimkie stehen und wippen zu Housemusik. Hansering. Strandluft. Relaxen auf Wiese. Ich bin zu faul zum laufen, schreiben, fotografieren. Andreas spricht mich auf meine Motivationslosigkeit an. Schlummere kurz ein. Verschwatzen uns. Zeitloch. Weiter zum Stadtpark. Parkbank mit Blick auf orange Flamme. Erörtern alles entscheidende Frage: wollen wir das Driftprojekt hier beenden? Gemeinsamer Beschluß: Ja. Geben uns die Hand, beglückwünschen und bedanken uns für die schöne Zusammenfreizeit. Pro und contra für die Entscheidung im Fazit.
Fazit:
PRO Drifting beenden: niemand ruft uns an, haben keine Lust mehr, wird irgendwann eintönig, verliert seinen Zauber, haben genug Drifterfahrungen gesammelt. Fahrkarte Halle-Leipzig zu teuer, sind nicht entspannt, haben anderes zu tun, Andy muß spanisch lernen, zu kraftlos, um driften zu können, ständige Abwechslung, die zum Driften notwendig wäre, bietet Halle einfach nicht. In Paris ist das warscheinlich was anderes. Haben uns selbst für Festival instrumentalisiert. Das war ein Fehler. Um Driften zu können, darf man nicht Teil eines künstlerischen Begleitprogramms sein. Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.
CONTRA: ein geplanter Termin noch offen, bisher hat Driften nur beim ersten Mal konsequent geklappt > Warscheinlich sollte man es genau deswegen auf sich beruhen lassen.
Liebe/r Leser/in, vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit.
Dein CITY Drifter Team
Di., 24.06., 11:55, vor dem 4. Drifting
Wir werden ungefähr 12 Uhr starten. Fahren mit der Straba zum Marktplatz, dort wird das Driften beginnen. Leider muß ich die Zeit im Auge behalten, weil ich 20 Uhr zum Künstlergespräch muß. Das Experiment kann wieder nicht konsequent durchgeführt werden. Die Sonne scheint. Wir haben bis jetzt keine körperlichen Beschwerden. Sind vielleicht ein wenig unmotiviert.
Mo., 23.06.,
Drifting findet nicht statt. Andreas muß arbeiten und Geld verdienen.
So., 22.06., 23:30 Notizen zum 3. Drifting (19:30-22:30)
Leipzig Hbf. Junge Menschen verkaufen uns für 5 Euro ein Sachsen-Anhalt-Ticket. Wir fahren aus dem Bahnhof raus. Am Himmel ein Regenbogen. Auf der Autobahn wäre das viel beeindruckender, meint Andreas. Steigen in Halle Hbf aus. Jemand hält jemandem die Augen zu. Entscheiden uns für die S-Bahn nach Halle Trotha, was anderes gibt es nicht. Andi vermutet: “Trotha muß sehr schön sein”. Winkt dem Zugführer, wir steigen ein. Sitzen gleich bei der Lok. Ziehen unsere CITY Drifters-T-Shirts an. Mann neben uns mit Bierflaschenschnappverschluß lächelt uns zu. Macht Foto von uns. Steigt mit Freundin Dessauer Brücke aus, wünscht uns schönen Abend. Fahren an Wohnstadt Nord vorbei. Endstation Halle Trotha. Trotha hat keine Straße, nur eine Schiene. Entdecken Meßpunkt. Andi erläutert das Gauss-Krüger-Koordinatensystem. Stoßen auf einen Zen-Tempel mit laut bellendem Hund und Rakete hinterm Holzzaun. Ich will klopfen, Andi hat keinen Bock auf esoterische Gespräche. Trotha fetzt nicht. Zug verpasst. “Vielleicht sterben wir jetzt hier.” “Ich will nicht in Trotha sterben.” Umschleichen verlassene Grundschule mit Regenbogenmotiv am Portal. Andi klettert übers Tor, um Flyer in geheime Raucherecken für Schüler zu legen. Schwüles Wetter. Gehen zum Bahnsteig zurück. Fahrkartenautomat kaputt. Andi ruft mit CITY Drifters-Telefon Bahnhofsmanagement an: “CITY Drifters Halle, guten Abend. Der Fahrkartenautomat in Halle Trotha ist kaputt. Ich kann mir keine Fahrkarte kaufen.” Antwort: “Vielen Dank. Alles in Ordnung. Wurde schon weitergeleitet.” Fahren zurück nach Halle Hbf.. S-Bahn wie Sauna. Rufen Freunde an – uns ruft ja keiner an. Fenster links: Gartensparten, Garagen. Andi liest mir Kontaktanzeigen vor, sucht mir einen Mann mit PKW. Halle Hbf.: wir traun uns nicht Broschüren zu verteilen. S-Bahn nach Leipzig. Es dämmert.
Fazit: Sehr spontan, sehr kurz. Es gab vorher festgelegte Zeitspanne von 3 Stunden. Daher kein wirkliches Driften im Sinne von Zeitlosigkeit. Aber im Stil der sinnlosen Situationistentaxifahrten durch Paris. Das Ende von Halle: trostlos und schwül. Überflüssige Aktion. War toll.
So., 22.06., 16:00
Wir beschließen, nach Arbeitsschluß mit dem 3 Stunden gültigen MDV-Ticket nach Halle zu fahren, dort mit irgendwelchen öffentlichen Verkehrsmitteln, in denen das Ticket gilt, irgendwohin zu driften und wieder zurück nach Leipzig zu fahren, bevor das Ticket abgelaufen ist. Wir treffen uns 19:30 am Hbf, Gleis 8. Ein halbherziger und verzweifelter Versuch, das Driften trotz Zeit- und Geldmangel fortzusetzen.
Fr., 20.06. / Sa.,21.06. / So.,22.6.
Es finden keine Driftings statt. Ich muß arbeiten und Geld verdienen.
Do., 19.06., 17:00 Notizen zum 2. Drifting (13:00-16:30)
Andi hat Zahnschmerzen, das wird Drifting negativ beeinträchtigen. Aufkleber halten nicht an der Mauer. Verteilen in einem kleinen “Park” an Bildzeitungsleser unsere Broschüren. Mann sagt: “Reinguggn kann man ja ma.” Alle lachen. Mann mit grauem Vollbart und Heavy-Metal-T-Shirt fragt uns, was wir machen. Geben ihm unser Manifest. “City Drivers? Fahrt ihr hier Runden?” Hat viel Freizeit, nichts zu tun, außer manchmal, wenn er am Snack-Eck arbeitet. Nimmt deshalb einen Stapel Broschüren von uns zum Verteilen mit. Triftstrasse. Andi beschwert sich, weil es berghoch geht. Kaufen Eis vom Bofrostmann, am Stock, direkt vom Auto. Hund und Frau mit T-Shirtaufschrift: “Citylife”. Fotografieren das Sonnenblumenauto. Geben einer Frau Flyer, die schnell flüchten will – rennt fast gegen Verkehrsschild. Rauchpause auf Wiese an HA Mühlweg. A. raucht trotz Zahnschmerzen. Strassenbahn schleift fast am Pappschild mit Werbung “10 Jahre Geburtshaus”. Auto Pflegedienst “Äsculap”. Überlegen lange, was Äsculap bedeutet. Ameisen! Müssen aufbrechen. Autofahrer hält, um nach Weg zu fragen, er hat eine Karte, wir nicht. Zeigen auf seiner Karte den Weg, er redet rein, erklärt uns den Weg. Reichen Flyer ins Auto. Verabschiedung. Irgendwo hier gibts auch einen Skulpturenpark. Flyer an Polizeiauto. Am “ichBINeinLADEN” stinkt es komisch. Fußweg mit Kreide bemalt. Kaufen im Edeka “Herren”-kuchen. Mann bittet uns um 20 Cent für Sterni. Lehnen dankend ab. “Kräuterhexe” hat unser Plakat entfernt. Steuern Wiese an. Stop an Nr. 6 bei Blase/Hofmann. Relaxen auf Treppenstufen. Lauschige Hauseinfahrt. Leute gehen vorbei, ohne uns zu beachten. Geheimtip für City Service Mitarbeiter. Evaluieren die Stimmung. Zahnschmerzen und Allergie machen uns zu schaffen. Drifter müssen kerngesund sein. Hinterlassen Aufkleber. Weiter Richtung Springbrunnen. Entsorgtes Wintersolarium am Wegesrand. “Burschen heraus” mit Kreide an Mauer geschrieben. Laufen Indern mit Turban hinterher ins Evangelische Jugend- und Studentenhaus. Erreichen Ufo-Galerie. Galeriebetreiber Holger fragt: “Macht ihr Notizen oder muß man euch siezen?”. Mädchen fragt: “Dürft ihr sprechen?”. MDR macht interview mit M. Freundt. Wir sitzen hoffentlich im Bild. Holger will uns auch interviewen. Müssen warten, bis MDR fertig ist. Sonne kommt raus. Driften mit Holger ein Stück und erklären unser Projekt. Passieren die Hausnummer Harz 4. Holger verlässt uns. Gehen Richtung Markt. Warscheinlich. Verschnaufen an rotem Tisch unter rotem Schirm, der alles in rotes Licht taucht. Steht uns gut. Skulptur spielt “Hubbekästl” (Scharenstr.). Fußballstimmung in der City. Das kotzt Andy an. Neue Uniformanregung im Schaufenster “Ullrich Medienwelt”. Fußballdress, sieht aus wie Eishockeyanzug. Schwätzchen mit Frau an Haltestelle. Findet Festival gut, da kann sich die Vorstadt Halle drüber freun. Fragt, ob wir am Schaufensterwettbewerb teilnehmen. Christo hat Marktkirche vermummt. Plötzlicher Stress auf Marktplatz, wirre Strassenbahnschienen, Leute, laut. Inder trommeln auf großer Bühne. Dahinter winziger Container, Kunstprojekt. Verantwortlicher Künstler Sebastian Löwe nicht da. Neben Bierkästenbank steht rote Bank namens “hank stadt sitzen”. Wir sehen gut auf ihr aus. Treffen Container-Künstler mit Begleitung. Michelle Terran, rosa Strümpfe in schwarzen Sandalen. Sebastian bittet uns, seine lustigen Kommentare aufzuschreiben. Junge mit USA-T-Shirt fragt uns, wer wir sind. Wurde evt. von seinen Eltern vorgeschickt. Geben ihm ungefähr 50 Aufkleber. Rosa Frau vorm Re-Sales Second Hand Shop. Müssen schnell los, Andis Zahnschmerzen werden schlimmer. Rasanter Rückweg, Abkürzungen, in Gespräche über Geldverdienen, ohne viel tun zu müssen, vertieft. 16:35 Ankunft an Basisstation Gärtnerhaus.
Fazit: Zahnschmerzen machten entspanntes Driften unmöglich, mussten deshalb vorzeitig abbrechen. Innenstadt wirkte extrem reizüberflutend, brachten die falsche Stimmung mit, müssen ein andermal uns länger dort verirren. Jedoch mehr in Kontakte und Gespräche mit fremden Menschen verwickelt sowie Bekannte getroffen. Strecke war nicht so interessant wie gestern, warscheinlich, weil sie uns schon bekannter war und wir uns nicht wirklich verlaufen konnten. Rückweg zog völlig an uns vorbei, weil wir zielgerichtet zur Basis wollten. Keine Berichte darüber. Erfuhren über Buschfunk, dass die Radio Corax-Frau sauer auf uns ist.